Chiropraktik Zentrum Eckernförde
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Der eingeklemmte Nerv

Aus: „Vista" Ausgabe Okt. 2000, S. 46/47

Wenn man «geklemmt» wird, dann tut das schon weh, wie weh tut dann wohl ein «eingeklemmter» Nerv? Das hört sich an wie ein intensiver, scharfer Schmerz, der einfach nicht aufhören will und dauernd da bleibt wie Zahnschmerzen. Es könnte überall passieren: in der Halswirbelsäule, im Brustwirbelbereich oder in der Lendenwirbelsäule. Der Schmerz könnte also überall im Körper auftreten: im Arm, in den Fingern, in der Schulter, in der Hüfte, im Knie, im Fuss, er kann unsere Stimmung ruinieren und uns das Leben zur Hölle machen.

Sind die Nerven wirklich einklemmt ?
Es gibt hier eine Vielzahl von Meinungen. Die überwiegende Mehrheit der Fachleute ist der Meinung, dass der Ausdruck, so unpräzise ist, dass er gar nicht verwendet werden sollte. «Eingeklemmter Nerv» ist kein wissenschaftlicher Ausdruck, aber er ist sehr «beschreibend» und es fühlt sich ja auch so an, als ob etwas da drin eingeklemmt wäre. Das geht sogar so weit, dass auch Fachleute den Ausdruck um der Klarheit willen selber verwenden. Es kommt immer wieder vor, dass Leute zu einem Chiropraktor kommen und erzählen, sie hätten einen eingeklemmten Nerv und brauchten einen Chiropraktor.

Was also ist ein «eingeklemmter Nerv» ?
Um das zu verstehen, müssen wir erst einmal folgende Fragen beantworten: was ist ein Nerv und was tut er?

Nerven: woher kommen sie ?
Es gibt Millionen von Nervenfasern in unser Körper. Auf den Teil des Weges vom Gehirn in die entfernten Regionen unseres Körpers sind sie in Bündeln zusammengefasst und diese nennt man Nerven. Es kann also viele Nervenfasern in einem Nerv geben. Mit wenigen Ausnahmen gehen die Nerven alle durch ein Loch in der Schädelbasis (foramen magnum) und bilden innerhalb der Wirbelsäule das Rückenmark. Auf der ganzen Länge der Wirbelsäule gehen jeweils zwischen zwei Wirbeln ein Paar Nerven bei den Austrittslöchern oder Foramina aus dem Rückenmark heraus. Nachdem sie das Rückenmark verlassen haben, spalten sich die Nerven nach und nach, je weiter sie von der Wirbelsäule entfernt sind, in immer kleinere und dünnere Nerven auf und versorgen die hinterste Ecke in unserem Körper. Unser Nervennetz ist so dicht, dass wir immer noch erkennbar wären, wenn von uns nur unsere Nerven übrig wären!

Was tun die Nerven?
Nerven senden Impulse von unserem Gehirn an den Körper und umgekehrt vom Körper an das Gehirn. Verschiedene Nerven, senden verschiedene Impulse. Die Impulse vom Gehirn in den Körper sind «motorische» Impulse, sie senden Befehle an den Körper. Die Impulse vom Körper ins Gehirn sind «sensorische» Impulse, sie senden Informationen vom Körper ans Gehirn. Ohne «sensorische» Nerven könnten wir weder hören noch sehen, weder riechen noch schmecken, wir würden keine Berührung, keinen Schmerz aber auch keine Kälte oder Wärme fühlen. Ohne «motorische» Nerven könnten wir uns nicht bewegen, kein Muskel würde sich rühren. Wir wären gefangen in unserem eigenen Körper. Nerven regulieren auch unsere internen automatischen Funktionen: das Atmen, das Schwitzen, das Frieren, den Herzschlag, die Verdauung, die Ausscheidung, die Verteilung der Blutversorgung, die Kontrolle des Blutdrucks und viele andere Dinge. Wir müssen also alles in unserer Macht stehende tun, um unser Nervensystem gesund zu erhalten, weil nur ein gesundes Nervensystem alle seine Aufgaben auch gut genug erfüllen kann. Die häufigste Erkrankung unseres Nervensystems ist der berühmte «eingeklemmte Nerv».

Wie werden Nerven «eingeklemmt» ?
Nachdem die Nerven aus dem Gehirn kommen, verlaufen sie durch einen knöchernen Kanal, die Wirbelsäule. Wenn nun die Wirbelsäule durch irgendwelche schädlichen Einflüsse beeinträchtigt wird, dann kann dies die Nerven irritieren, es kann sie dehnen oder auch auf sie drücken. Einfach gesagt könnten die Nervenaustrittslöcher oder Foramina kleiner werden und dadurch Druck auf ihren Inhalt ausüben. In und um diesen Foramina befinden sich neben den Nerven noch andere Strukturen: Blutgefässe, Fettkörper, Bandscheiben (auf einer Seite), Wirbelgelenke (auf der gegenüberliegenden Seite), Hirnhäute (!), Sehnen, Bänder, Lymphgefässe und so weiter. Nerven transportieren auch mehr als nur Impulse, sie transportieren auch Nährstoffe für ihre entfernteren Teile und auch dieser Transport kann durch diese Veränderungen beeinträchtigt oder unterbrochen werden.

Wodurch kann dies alles verursacht werden? Es gibt viele mögliche Ursachen, zum Beispiel eine Fehlbelastung oder ein Unfall. Sogar ein nur kleiner Unfall kann unter Umständen recht seriöse Probleme auslösen, wenn die Wirbelsäule stark genug beeinträchtigt wird. Ein Problem kann auch durch eine schlechte Schlafhaltung ausgelöst werden. Es kann durch langandauernden körperlichen oder seelischen Stress ausgelöst werden, der zu einer Veränderung der Körperhaltung führt. Für diese Beeinträchtigung gibt es einen Namen: vertebrale Subluxation.

Was hat eine Subluxation zur Folge ?
Wenn Nerven beeinträchtigt werden, können deren Impulse verändert werden. Veränderte Impulse oder «Meldungen» beeinträchtigen ihrerseits die Funktionen im ganzen Körper. Die Organe in unserem Körper erhalten die falschen Meldungen und in der Folge reagieren sie auch nicht korrekt auf äussere Einflüsse. Wir werden krank! Ein Beispiel: falls die Nerven, die den Magen und die Därme versorgen beeinträchtigt werden, kann dies zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und anderen eher unangenehmen Magen-Darm-Erkrankungen führen. Damit ist es aber leider noch nicht getan. Gleichzeitig führt diese Funktionsstörung in der Wirbelsäule meist auch zu merklicher Müdigkeit, Leistungsschwäche und Erschöpfung. Tatsächlich sind Müdigkeit, Leistung- schwäche, Konzentrationsschwäche und Erschöpfung oft ein frühes Warnzeichen einer vertebralen Subluxation.

Die meisten «eingeklemmten Nerven» tun nicht weh !!!
Die meisten Leute, die eine «vertebrale Subluxation» haben, verspüren gar keinen Schmerz. Schmerz ist nur eines von mehreren Symptomen einer Subluxation und dabei nicht einmal sehr häufig. Warum ist dies so? Wie Sie sich vielleicht aus dem 1. Teil erinnern, führen nur eine begrenzte Anzahl von Nerven eine «sensorische» Meldung und von diesen melden sich nicht einmal alle mit Schmerz, wenn sie beeinträchtigt werden, weil sie keine Schmerznerven sind. Sie können also einige recht merkwürdige Meldungen in einer entsprechenden Untersuchung antreffen: Kälte, Wärme, Berührung, Kribbeln, Gefühlsverlust, Gefühlsverstärkung und so weiter. Und dann ist da noch das ganze Bündel von Nerven das «motorische» Meldungen befördert. Diese Nerven können sich nur durch den Ausfall der von ihnen gesteuerten Funktionen bemerkbar machen. Das unglückliche Opfer merkt unter Umständen nicht einmal, dass ein Nerv beeinträchtigt wird und die Beeinträchtigung wird immer schlimmer! Bis es vielleicht zu spät ist. Also: wenn Sie merken, dass etwas nicht so ist wie es sein sollte und es bessert nicht sehr schnell wieder, lassen Sie es sicherheitshalber von Ihrem Chiropraktor oder Hausarzt untersuchen. So gesehen sind die Leute, die einen Schmerz spüren die «glücklicheren», sie merken sofort, dass etwas nicht in Ordnung ist und suchen in der Regel auch schneller professionelle Hilfe auf. Immer neuere Entdeckungen haben dazu geführt, dass der Ausdruck «vertebrale Subluxation» überdacht werden musste und man von einem «vertebralen Subluxations-Komplex spricht, da man heute eine ganze Reihe von Auswirkungen unter diesem Oberbegriff vereinigt:

1. Abnormale Beweglichkeit oder Positionierung von Knochen und Gelenken. Die Wirbel sind blockiert, fixiert, oft schmerzhaft und manchmal entweder unter-beweglich oder seltener sogar überbeweglich.
2. Abnormale Nervensystem-Funktion. Das Nervensystem wird negativ beeinflusst, die chemo-elektrischen Nachrichten die von den Nerven transportiert werden, werden unterbrochen oder verändert. Auch der Nährstofftransport innerhalb der Nervenfasern kann beeinträchtigt sein.
3. Abnormale Muskelfunktion. Muskeln verkrampfen und verstärken so die Blockierungen oder sie erschlaffen und können so ihre Haltefunktion nicht mehr ausführen.
4. Abnormale Organfunktion Organe und Drüsen können durch die veränderte Umgebung (Muskel-, Gelenk- und Nerven-funktionen behindert!) in ihrer Funktion gestört werden und allgemeine Krankheitszeichen treten auf, zum Beispiel Fieber, Übelkeit und Erbrechen.
5. Abnormale Funktion von Wirbelsäule und Körper. Die Wirbelsäule hat ihre Balance und Haltung verloren und der Körper funktioniert nicht mehr wie eine harmonische Einheit. Das System gerät unter Stress und die Muskeln, Gelenke, Bänder, Sehnen und Organe fangen an, Zeichen von Überlastung und Verscnleiss zu zeigen. Die betroffene Person ermüdet schneller, ist in ihrer Leistungsfähigkeit reduziert und ist generell weniger resistent gegen Erkrankungen.

Die chiropraktische Behandlung der «Subluxation» Chiropraktoren sind speziell ausgebildet um während der Untersuchung eine Subluxation aufzuspüren, die genaue Ursache zu diagnostizieren und sie gegebenenfalls durch geeignete Massnahmen zu beseitigen. Ein Chiropraktor erreicht dies ausschliesslich durch manipulative Behandlungen der Wirbelsäule. Er unterstützt seine Behandlung unter Umständen durch eine physikalische Therapie, wie zum Beispiel Interferenz, Ultraschall, Strecktherapie und Kälteoder Wärmeapplikation. Eine Subluxation kann meist nicht durch Medikamente oder Operationen geheilt werden, sie geht auch meist nicht wieder von selbst weg. Es braucht eine kompetente Wirbelsäulen-Analyse und Wirbelsäulen-Behandlung.