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Blockierungen

Frau Steiff träumt einen bösen Traum. Kurz vor dem bitteren Ende schreckt sie auf, spürt einen Stich im Nacken - dort, wo sie um ein Haar der Haifisch erwischt hätte, wäre sie nicht rechtzeitig aufgewacht. Ihren Nacken kann Frau Steiff kaum mehr bewegen, die kleinste Bewegung schmerzt. Den Kopf nach links gedreht, das Ohr beinahe auf der Schulter, verharrt Frau Steiff bewegungslos. Herr Steiff weiss Rat: japanisches Heilkräuteröl, warme Umschläge, Aspirin, die starken Tabletten, die bei den Nierensteinen so gut geholfen haben. Am Mittag ist Frau Steiff erledigt, es müsste doch eine andere Lösung geben für ihren blockierten Nacken...

Was ist eine Blockierung ?
Blockierungen können in allen Gelenken, in der Wirbelsäule, in den Knie-, FUSS-, oder Handgelenken auftreten. Im Nacken heissen sie «Halskehre» oder «Nackensteife», in der Brustwirbelsäule kann eine Blockierung Herzbeschwerden vortäuschen, im Kreuz wird sie oft als «Hexenschuss» bezeichnet. Das betroffene Gelenk ist bewegungsunfähig, die umgebende Muskulatur hart und verspannt, und die ganze Geschichte ist immer ziemlich - oft sogar sehr -schmerzhaft. Meist ist das Gelenk in einer auf die Dauer nicht sehr komfortablen Stellung blockiert.

Wie entsteht sie ?
Diese Frage hat mehrere Generationen von Chiropraktoren beschäftigt - eine definitive Antwort hat man bis heute nicht gefunden. Es wurden Erklärungsmodelle geschaffen, die uns helfen, die Vorgänge besser zu verstehen. Heute stehen drei wissenschaftlich einigermassen haltbare Modelle zur Diskussion.
Das mechanische Modell (auch «Gelenkmodell» genannt): Die Blockierung wird durch das «Einklemmen» einer schmerzempfindlichen Struktur des Gelenks verursacht, etwa eines Teils der Gelenkkapsel. Meist ist eine unkontrollierte Bewegung der Auslöser, die Betroffenen sind meist Menschen im jungen bis mittleren Alter. Das Bandscheibenmodell ist ein Spezialfall des Gelenkmodells: Ein Teil einer lädierten Bandscheibe wird während einer Bewegung eingeklemmt. Dies setzt voraus, dass eine Beschädigung der Bandscheibe, ein Bandscheibenvorfall vorliegt, in der Fachsprache Diskushernie oder Diskusprotrusion genannt.
Das reflektorische Modell: Schmerzreize führen zu einer Verkrampfung der Muskulatur, die das Gelenk kontrolliert. Auslöser ist der Schmerz, die Antwort des Körpers auf den Schmerz ist die Verkrampfung der Muskulatur, die Antwort erfolgt unwillkürlich, als Reflex, und kann also vom Betroffenen nicht kontrolliert werden. Die Schmerzreize können aus verschiedenen Strukturen stammen, die mit dem Gelenk direkt etwas zu tun haben: Gelenkkapsel, Bandscheibe oder Muskulatur. Es kommen aber auch andere Strukturen als Ursache einer reflektorischen Blockierung in Frage, etwa Rückenschmerzen während der Menstruation: Schmerzreize aus der Gebärmutter lösen reflektorisch oft eine Verkrampfung der Muskulatur in der oberen Lendenwirbelsäule aus. Interessant ist dabei, dass die Patientinnen oft nur Rückenschmerzen und kein «Bauchweh» empfinden.
Das integrierte Modell: Es ist anzunehmen, dass sich die beiden erwähnten Modelle
beeinflussen. Eine mechanische Blockierung führt zu einer reflektorischen Verkrampfung der Muskulatur und zur Ruhigstellung des Gelenks, eine reflektorische Blockierung führt nach einer gewissen Zeit zu einer mechanischen Gelenkblockierung, da Gelenke, die längere Zeit unbeweglich bleiben, unter der Ruhigstellung leiden. Die Ernährung des Gelenkknorpels nimmt ab, die Gelenkkapsel schrumpft, die Bewegungsmelder des Gelenks senden verwirrende Informationen, das reflektorisch blockierte Gelenk wird mit der Zeit zum mechanisch blockierten Gelenk.

Blockierung - was nun ?
Selbstheilung: Blockierungen verschwinden, wenn die mechanische Ursache oder der Auslöser für die reflektorische Ursache der Blockierung behoben werden. Oft verschwinden die Blockierungen spontan, eine Bewegung löst die Blockierung, die Muskulatur entspannt sich, der Schmerz verschwindet. Wenn die Blockierung aber eine gewisse Zeit bestehen bleibt, wird es immer unwahrscheinlicher, dass sich die Geschichte von selbst «einrenkt». Nach einer gewissen Zeit ist das blockierte Gelenk für den Körper «normal». Oft verschwinden sogar die Schmerzen, es bleiben ein Steifegefühl und eine Überempfindlichkeit auf Berührung. Die mechanische Störung ist dabei meist nicht behoben.
Chiropraktische Behandlung: Der Chiropraktor kann akute, «frische» Blockierungen mit einem Handgriff deblockieren. Das Gelenk wird mit einem spezifischen Handgriff, einer schnellen, kleinhubigen, ruckartigen Bewegung gelöst, also wieder beweglich gemacht. Dabei lösen sich die Gelenkflächen voneinander, was zum berühmten «Knacken» führt. Wichtig ist dabei, dass das Gelenk nur innerhalb des normalen Bewegungsausmasses bewegt wird. Für akute Blockierungen genügen oft eine oder einige wenige Chiropraktische Behandlungen. Bei länger bestehenden, chronischen Blockierungen ist die Behandlung gelegentlich aufwendiger. Es reicht manchmal nicht, die mechanische Ursache zu beheben; zusätzlich muss die verkrampfte Muskulatur gelöst werden. Falls das Problem trotzdem immer wieder auftritt, können spezifische Übungen, die die Patienten zuhause regelmässig durchführen, das Problem auf Dauer kurieren.

Leben ohne Blockierung ?
Offenbar gibt es Leute, die ihr Leben lang keine Probleme mit dem Bewegungsapparat haben -so, wie manche Leute nie erkältet sind. Eine gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, genügend Schlaf, ausgewogener Ernährung und ausgeglichenem Innenleben soll die beste Vorbeugung gegen alle möglichen Blockierungen sein. Wir Chiropraktoren sehen diese Glücklichen nie in den Praxen. Leider: Vielleicht könnten wir etwas von ihnen lernen...